Digitale Infrastruktur als Standortfaktor für Feuerwehren

Wie moderne IT-Ausstattung die Attraktivität von Feuerwehren als Arbeitgeber und Ehrenamtsorganisation steigert

Feuerwehren in Deutschland stehen vor einer strukturellen Herausforderung, die sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird: Der demographische Wandel lässt die Bewerberzahlen sinken, während gleichzeitig Einsatzzahlen steigen und die fachlichen Anforderungen wachsen. Laut DFV-Jahresstatistik bewältigten die deutschen Feuerwehren im Jahr 2023 insgesamt über 4,1 Millionen Einsätze, darunter 286.622 Brände und Explosionen sowie 797.626 Technische Hilfeleistungen [1].

Die AGBF Bund als Zusammenschluss aller 114 deutschen Berufsfeuerwehren berichtet von wachsendem Druck auf die Personalplanung in zahlreichen Städten [2]. Auf der anderen Seite stehen die ehrenamtlichen Wachen, die zum Stand 31.12.2023 in Deutschland 1.028.021 aktive Personen in den Freiwilligen Feuerwehren zählen [1]. Der Altersdurchschnitt steigt und die Gewinnung jüngerer Jahrgänge wird schwerer, das belegen auch die Ergebnisse des Forschungsprojekts zur Zukunft des Feuerwehrehrenamts rund um Doris Rosenkranz von der Technischen Hochschule Nürnberg [3]. Die Deutsche Jugendfeuerwehr (DJF) mit rund 372.000 Mitgliedern (2024) ist eine wichtige Nachwuchsquelle [4], aber der Übergang in die aktive Wehr gelingt nicht immer.

Zwischen den beiden Welten von Hauptamt und Ehrenamt, gibt es einen gemeinsamen Nenner: Die technische Ausstattung einer Wache. Sie sendet ein unmittelbares, wahrnehmbares Signal an Bewerberinnen und Bewerber, potenzielle Mitglieder und an die Gemeinde als Träger.

Feuerwehr als Arbeitgeber: Wo sich die Unterschiede zeigen 

Wer sich heute als Brandmeister oder in technischen Spezialisierungen bei einer Berufsfeuerwehr bewirbt, kommt häufig aus Berufsumfeldern, in denen digitale Werkzeuge selbstverständlich sind — Handwerk mit digitalem Auftragsmanagement, Industrie mit vernetzter Sensorik, Verwaltung mit elektronischer Akte. Die Unterschiede zum neuen Arbeitsplatz zeigen sich schnell.

Der entscheidende Moment ist oft nicht das Vorstellungsgespräch, sondern der erste Hospitationstag. Welche Geräte stehen zur Verfügung? Wie funktioniert die interne Kommunikation? Sind Einsatzberichte und Schichtpläne digital, oder wird noch auf Papier dokumentiert?

Diese Eindrücke sind nicht trivial. Sie entscheiden, ob eine Bewerberin oder ein Bewerber die Stelle annimmt oder nicht. Berufsfeuerwehren, die beim Vorstellungsgespräch mit durchgängig digitaler Infrastruktur punkten können, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Kommunen, die das nicht bieten. Von den 114 deutschen Berufsfeuerwehren konkurrieren besonders jene in vergleichbaren Stadtgrößen unmittelbar um dieselben Bewerbenden, so dass eine moderne IT-Infrastruktur hier den Ausschlag geben kann [2].

Wer ehrenamtlich Dienst leistet, tut das nach dem Arbeitstag oder an Wochenenden unter Verzicht auf Freizeit. Hier ist der Vergleich mit der Ausstattung im Berufsleben noch naheliegender. Eine veraltete Verwaltungssoftware, die für einfache Aufgaben wie Dienstplanung oder Einsatzberichte unnötig viel Zeit kostet, ist kein Motivationsschub für das Ehrenamt. Funktioniert die Technik dagegen reibungslos, reduziert das die Reibung im Alltag spürbar und schafft Raum für das, was Feuerwehrdienst eigentlich ausmacht: Im Notfall seinen Mitmenschen zu helfen.

Hinzu kommt die Sichtbarkeit nach außen. Moderne IT-Ausstattung ist ein erkennbares Zeichen für potenzielle Mitglieder, dass eine Feuerwehr sich weiterentwickelt. Laut der Ehrenamtsstudie Feuerwehr Rheinland-Pfalz des Innenministeriums, durchgeführt vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft mit über 12.500 Teilnehmenden, planen über die Hälfte der 16- bis 29-Jährigen, ihr Engagement auszubauen. Diese Altersgruppe, bringt hohe Erwartungen an die digitale Ausstattung mit [5]. Wer in der Jugendfeuerwehr bereits mit digitalen Lernformaten und moderner Technik in Kontakt kommt, erwartet diese Kontinuität auch in der aktiven Wehr.

Gleiches gilt für die Bindung erfahrener Kräfte. Wer nach einer Schicht zusätzliche Zeit für manuelle Dokumentation aufwenden muss, weil Systeme nicht miteinander kommunizieren oder Geräte veraltet sind, zieht Konsequenzen. Diese werden teilweise erst nach Jahren in der Personalstatistik sichtbar.

Technik an der Wache: Was heute relevant ist 

Der Digitalisierungsbedarf bei Feuerwehren teilt sich in mehrere Bereiche, die unterschiedliche Anforderungen stellen, aber technologisch eng miteinander verknüpft sind.

Endgeräte und Arbeitsplatz-IT 

Tablets und Smartphones sind zunehmend Standardwerkzeuge für Einsatzberichterstellung, digitale Checklisten, Hydrantenpläne oder die Verwaltung von Atemschutzgeräten. Der Unterschied zu Privatgeräten oder unverwalteten Dienstgeräten liegt in der betrieblichen Kontrolle. Wer auf einem Dienstgerät Zugriff auf Mitgliederdaten, Einsatzinformationen und Kommunikationskanäle hat, braucht eine durchgängige Zugriffskontrolle, ein definiertes Rollen- und Rechtekonzept sowie klare Regelungen für den Verlustfall.

Notebooks bleiben an der Wache und in der Verwaltung das Rückgrat für Dokumentation, Leitstellenanbindung und Fachanwendungen. Standardisierung ist dabei entscheidend. Heterogene Gerätelandschaften erzeugen Wartungsaufwand, Kompatibilitätsprobleme und erhöhen die Angriffsfläche für Cyberangriffe.

Leitstellen- und Einsatzsoftware 

Leitstellen sind das digitale Herzstück einer Berufsfeuerwehr. Moderne Leitstellensoftware integriert Alarmierung, Einsatzplanung, GIS-basierte Lageinformationen und Ressourcenmanagement in einer Oberfläche. Verschiedene Anbieter von GIS-Technologien ermöglichen es, Hydrantenstandorte, Gefahrschwerpunkte und Einsatzwege in Echtzeit auf Karten darzustellen. Digitalisierung führt zu einer erheblichen operativen Verbesserung gegenüber papierbasierter Planung.

Digitale Einsatzberichte und App-gestützte Rückmeldung aus Fahrzeugen (Connected Vehicles) ermöglichen es der Einsatzleitung, Lagebilder dynamisch zu aktualisieren. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) arbeitet im Rahmen des Programms „Bevölkerungsschutz 2030" an der Standardisierung digitaler Lagebilder für überregionale Einsätze mit dem Ziel, organisationsübergreifende Koordination zu verbessern [6].

Verwaltungssoftware 

Ob Mitgliederverwaltung, Ausbildungsplanung, Gerätewartung oder Finanzen: All das wird zunehmend durch spezialisierte Feuerwehrsoftware abgedeckt. Cloudbasierte Lösungen ohne eigene IT-Infrastruktur sind inzwischen breit verfügbar und erlauben auch kleinen Wachen, digital zu arbeiten, ohne einen eigenen Server betreiben zu müssen.

Die Anforderungen an Datenschutz (DSGVO) und IT-Sicherheit nach BSI-Grundschutz gelten dabei unabhängig von der Wachengröße. Das BSI-Grundschutz-Kompendium definiert konkrete Maßnahmen zur Absicherung von IT-Systemen im behördlichen Umfeld. Dazu gehören Zugriffskontrolle, Datensicherung, Patch-Management und der Umgang mit mobilen Endgeräten [7]. Für Feuerwehren, die personenbezogene Daten ihrer Mitglieder und Einsatzdaten verarbeiten, sind diese Anforderungen keine theoretische Pflichtübung, sondern praktische Notwendigkeit.

Digitalfunk und BOS-Kommunikation 

Das TETRA-Digitalfunknetz der BDBOS ist das weltweit größte Funknetz auf Basis des internationalen TETRA-Standards. Mehr als 5.000 Basisstationen versorgen 99,2 % der Fläche Deutschlands mit über 1,2 Millionen registrierten Teilnehmenden, darunter alle öffentlichen Feuerwehren [8]. Das Netz ist flächendeckend ausgebaut und für alle BOS-Behörden nutzbar. Der nächste Entwicklungsschritt liegt in der Integration breitbandiger Datendienste, die auf dieser Infrastruktur für die Übertragung von Lagebildern, Kameradaten und Einsatzinformationen in Echtzeit aufsetzen.

MDM: Warum eine einheitliche Geräteverwaltung keine Kür ist 

An der Schnittstelle von Wachenbetrieb und Einsatz stellt sich eine Frage, die häufig unterschätzt wird: Wie werden Dienstgeräte verwaltet, wenn keine eigene IT-Abteilung vorhanden ist oder wenn ein Gerät im Einsatz verloren geht?

Mobile Device Management (MDM) ist die technische Antwort darauf. Ein MDM-System ermöglicht die zentrale Verwaltung aller Dienstgeräte über eine einheitliche Plattformunabhängig davon, wo sich die Geräte physisch befinden.

Das bedeutet konkret:

  1. Datenverlust verhindern: Geht ein Gerät im Einsatz verloren oder wird gestohlen, kann es per Fernzugriff gesperrt und vollständig gelöscht werden. Personenbezogene Daten, Einsatzinformationen und Zugangsdaten sind damit nicht mehr zugänglich, auch wenn das Gerät nicht mehr auffindbar ist. Ohne MDM ist ein verlorenes Dienstgerät ein offenes Sicherheitsrisiko und löst unter DSGVO potenziell eine Meldepflicht gegenüber der Aufsichtsbehörde aus.
  2. Rollen- und Rechtekonzepte: Nicht jede Person braucht Zugriff auf alle Daten. Ein MDM-System erlaubt es, gerätebezogen festzulegen, welche Apps installiert sind, auf welche Systeme zugegriffen werden kann und welche Netzwerke genutzt werden dürfen. Das ist keine bürokratische Maßnahme, sondern eine technische Notwendigkeit, sobald auf Dienstgeräten DSGVO-relevante Informationen verarbeitet werden.
  3. Einheitliche Konfiguration und Updates: Alle Geräte erhalten automatisch die gleichen Einstellungen, Sicherheitsupdates und App-Versionen. Das verhindert, dass einzelne Geräte in veralteten Zuständen betrieben werden und somit eine der häufigsten Einfallstore für Cyberangriffe. Das BSI arbeitet seit 2024 gemeinsam mit dem Deutschen Feuerwehrverband (DFV) an IT-Sicherheitsstandards für Feuerwehren und hat spezielle Checklisten zur IT-Basisabsicherung veröffentlicht [7].
  4. Schnelle Einsatzbereitschaft: Neue Geräte können ohne manuelle Einrichtung in Betrieb genommen werden. Alle Anwendungen, Zugänge und Konfigurationen werden automatisch eingespielt. Das ist besonders in Wachen relevant, in denen IT-Fachkompetenz nicht immer vorhanden ist.
  5. Dokumentation: MDM-Systeme protokollieren Gerätezustand, Nutzung und Sicherheitsereignisse. Das ist nicht nur intern nützlich, sondern auch bei Datenschutzprüfungen oder im Fall einer Meldepflicht bei Datenpannen nach DSGVO relevant.

Einsatz und Fahrzeug: IT unter Betriebsbedingungen 

Im Fahrzeug und im Einsatz gelten andere Anforderungen als an der Wache. Geräte müssen unter körperlicher Belastung, mit Handschuhen, bei schlechten Lichtverhältnissen und unter Zeitdruck bedienbar sein. Das hat Konsequenzen für Auswahl und Konfiguration. Robuste Schutzgehäuse, handschuhkompatible Displays, sichere Fahrzeughalterungen, zuverlässige Ladesysteme für den Dauerbetrieb.

Auf der Softwareseite sind Einfachheit und Schnelligkeit entscheidend. Einsatzkräfte können im Einsatz keine komplexen Menüstrukturen navigieren. GIS-gestützte Karten müssen offline verfügbar sein, wenn die Mobilfunkverbindung abbricht. Rückmeldungen an die Leitstelle müssen mit wenigen Interaktionen möglich sein.

IoT-Sensorik im Fahrzeug, etwa für Flottenmanagement und Fahrzeugzustand, liefert der Einsatzleitung Echtzeitinformationen über Standorte, Verfügbarkeit und technischen Zustand von Fahrzeugen. Das ermöglicht zuverlässigere Ressourcenplanung in komplexen Einsatzlagen und ist ein Vorteil, der für jede Feuerwehr relevant ist, die mehrere Fahrzeuge koordiniert.

Herausforderungen und offene Fragen 

Die Digitalisierung der Feuerwehren ist kein linearer Prozess. Einige strukturelle Hemmnisse sind dabei besonders relevant:

  • Fehlende IT-Kompetenz vor Ort: Viele Wachen haben keine dedizierte IT-Verantwortung. Die Einrichtung und Pflege digitaler Systeme hängt an einzelnen Personen, die sich das Know-how selbst oder bedingt durch eine vorangegange oder parallel ausgeübte Berufstätigkeit angeeignet haben. Ausfälle oder Personalwechsel können den digitalen Betrieb empfindlich treffen.
  • Fragmentierte Systemlandschaften: Bundesweit existieren unterschiedliche Leitstellensoftware-Lösungen, verschiedene MDM-Systeme und zahlreiche Verwaltungsanwendungen nebeneinander. Interoperabilität ist eine der zentralen offenen Fragen. Besonders zeigt sich dies bei überregionalen Einsätzen, wenn Einheiten verschiedener Landkreise oder Bundesländer zusammenarbeiten müssen.
  • Budgetrestriktionen: Investitionen in IT-Infrastruktur konkurrieren in kommunalen Haushalten mit anderen Posten. Leasingmodelle und Förderprogramme, können helfen, Investitionsbarrieren zu senken.
  • Sicherheitsstandards: Die Bedrohungslage durch Cyberangriffe auf öffentliche Einrichtungen hat sich in den letzten Jahren erheblich verschärft. Laut BSI-Lagebericht 2023 waren Landes- und Kommunalverwaltungen überproportional häufig Ziel von Ransomware-Angriffen. Monatlich wurden im Berichtszeitraum durchschnittlich zwei Kommunalverwaltungen als Opfer bekannt [9]. BSI-Grundschutz und DSGVO-Compliance sind daher keine optionalen Extras, sondern verpflichtende Rahmenbedingungen, die bei der IT-Beschaffung von Anfang an mitgedacht werden müssen.

Fazit 

Moderne IT-Ausstattung ist weder Selbstzweck noch Statussymbol. Sie ist ein operativer Faktor für die Effizienz im Einsatz, für die Sicherheit im Umgang mit Daten und für die Attraktivität als Arbeitgeber und Ehrenamtsorganisation. Feuerwehren, die diesen Zusammenhang verstehen und ihre IT-Infrastruktur als Teil ihrer Personal- und Mitgliederstrategie kennen, positionieren sich nachhaltig besser.

Die technischen Mittel dafür sind heute verfügbar und erprobt. Die Frage ist nicht mehr, ob Digitalisierung bei der Feuerwehr möglich ist, sondern wie sie strukturiert und dauerhaft umgesetzt wird.

Quellen
[1] Deutscher Feuerwehrverband (DFV): Jahresstatistik der Feuerwehren 2023. Stand: 31.12.2023. https://www.feuerwehrverband.de/presse/statistik/
[2] AGBF Bund – Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Berufsfeuerwehren: Wir über uns. https://www.agbf.de/
[3] ZDF heute: „Feuerwehr: Ideen für die Zukunft", Bericht mit Zitat DFV-Präsident Karl-Heinz Banse sowie Expertin Doris Rosenkranz (TH Nürnberg), März 2024. https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/feuerwehr-nachwuchsmangel-zukunft-ideen-100.html
[4] Deutscher Feuerwehrverband (DFV): Deutsche Jugendfeuerwehr verzeichnet Zuwachs auf 372.334 Mitglieder (2024), Anstieg von 4,3 % gegenüber Vorjahr. https://www.feuerwehrverband.de/kategorie/statistik/
[5] Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz: Ehrenamtsstudie Feuerwehr Rheinland-Pfalz, durchgeführt vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, n = 12.500+ Teilnehmende, Januar 2026. https://mdi.rlp.de/service/pressemitteilungen/detail/grosse-beteiligung-und-klare-handlungsempfehlungen-ehrenamtsstudie-feuerwehr-vorgestellt
[6] Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Programm Bevölkerungsschutz 2030. https://www.bbk.bund.de/
[7] Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): BSI-Grundschutz-Kompendium; sowie: Kooperation BSI–DFV zu IT-Sicherheitsstandards für Feuerwehren (seit 2024). https://www.bsi.bund.de/
[8] Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS): Digitalfunk BOS im Überblick. https://www.bdbos.bund.de/
[9] Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2023. https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Publikationen/Lagebericht/lagebericht_node.html

Hinweis: Für die Erstellung dieses Beitrags wurden KI-Tools eingesetzt.

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