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Digitale Planung in Bayern

Wie der Datenstandard XPlanung und die Plattform DiPlanung Planungsverfahren einfacher, schneller und transparenter machen

Veröffentlicht im Juli 2026

Die räumliche Planung in Deutschland befindet sich in einem tiefgreifenden digitalen Wandel. Städte und Gemeinden stehen vor der Aufgabe, Bauleitplanverfahren rechtssicher umzusetzen, unterschiedliche Fachbelange zu berücksichtigen und gleichzeitig steigenden Erwartungen an Transparenz und Beteiligung gerecht zu werden. Parallel dazu wächst die Menge an verfügbaren Informationen kontinuierlich: Planwerke, Gutachten, Geodaten oder Stellungnahmen von Fachbehörden müssen in Planungsverfahren zusammengeführt, ausgewertet und dokumentiert werden.

Diese Entwicklung führt zu neuen Anforderungen an die Organisation von Planungsprozessen. In der Praxis arbeiten Verwaltungen, Planungsbüros und Fachstellen häufig mit unterschiedlichen Softwarelösungen und Datenformaten. Medienbrüche zwischen GIS-, CAD- und Dokumentensystemen erschweren dabei oftmals einen durchgängigen Informationsfluss. Gleichzeitig erwarten Bürgerinnen und Bürger sowie beteiligte Institutionen einen einfachen Zugang zu Planungsinformationen und transparente Beteiligungsverfahren.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Digitalisierung der Bauleitplanung zunehmend an Bedeutung. Ziel ist es, Planungsdaten strukturiert aufzubereiten, Verfahren effizienter zu organisieren und den Austausch zwischen den beteiligten Akteuren zu erleichtern. In Bayern wird dieser Prozess unter der Dachmarke Digitale Planung Bayern vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr vorangetrieben. Zwei Bausteine bilden dabei das Fundament: der bundesweit eingeführte, einheitliche Datenstandard XPlanung sowie die digitale Planungs- und Beteiligungsplattform DiPlanung. Gemeinsam schaffen sie die Grundlage für eine moderne Infrastruktur zur Durchführung digitaler Planverfahren im Bereich der Bauleitplanung, der Raumordnung und perspektivisch der Planfeststellung.

Die grundlegende Idee hinter dieser Entwicklung ist einfach: Wenn Planungsdaten in einer standardisierten Form vorliegen und über eine gemeinsame Plattform bereitgestellt werden, können Verfahren effektiver und schneller organisiert und Informationen leichter genutzt werden. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten für Analysen, Auswertungen und eine transparente Beteiligung der Öffentlichkeit. Digitale Planung bedeutet dabei nicht den Ersatz analoger Verfahren, sondern eine strukturelle Weiterentwicklung und Verbesserung der Planungsprozesse.

XPlanung – ein gemeinsamer Standard für Planungsdaten 

Ein zentraler Baustein digitaler Planungsverfahren ist – wie im Absatz oben bereits erwähnt - ein einheitlicher Datenstandard. Genau hier setzt XPlanung an. Der Standard definiert, wie räumliche Planwerke wie z.B. Bauleitpläne und ihre Inhalte digital strukturiert werden, sodass sie maschinenlesbar und softwareunabhängig genutzt werden können.

Technisch basiert XPlanung auf der sogenannten Geography Markup Language (GML), einem etablierten Format zur Beschreibung von Geodaten. Durch diese Struktur können Planwerke unabhängig von der eingesetzten Fachsoftware gelesen und verarbeitet werden. GIS-Systeme, CAD-Programme, Fachinformationssysteme oder Webanwendungen greifen damit auf denselben Datenbestand zu.

Für die Praxis der Bauleitplanung ergeben sich daraus zahlreiche Vorteile. Planwerke lassen sich automatisiert auf die Struktur hin prüfen, leichter verwalten und mit weiteren Geodaten kombinieren. Gleichzeitig wird der Austausch zwischen Kommunen, Planungsbüros und Fachbehörden deutlich erleichtert und die Öffentlichkeit profitiert von einer besseren Daten-Qualität. Planungsinformationen können systemübergreifend genutzt werden, ohne dass sie zeitaufwändig erneut aufbereitet werden müssen.

In Bayern bildet XPlanung die Grundlage für die digitale Bauleitplanung. Der Standard wurde durch den IT-Planungsrat eingeführt und ist im Bayerischen Digitalgesetz verankert. Damit steht den Kommunen ein verbindlicher Rahmen zur Verfügung, um Planungsdaten langfristig strukturiert und interoperabel zu verwalten.

DiPlanung – die Plattform für digitale Planverfahren 

Während XPlanung die Struktur der Daten definiert, stellt DiPlanung die organisatorische Infrastruktur für digitale Planungs- und Beteiligungsverfahren bereit. Die Plattform wurde von der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen des sogenannten Einer-für-Alle-Prinzips (EfA), wonach ein Bundesland eine Leistung entwickelt und diese dann anderen Ländern zur Verfügung stellt, konzipiert und steht nun Bund und Ländern im Rahmen des Verwaltungsabkommen über die Zusammenarbeit bei der Digitalisierung im Bereich Planen und Bauen (VDiPB) zur Nachnutzung zur Verfügung

In Bayern wurde die Lösung an die Anforderungen eines Flächenstaates angepasst und gemeinsam mit Kommunen sowie Anwenderinnen und Anwendern weiterentwickelt. Ziel der Plattform ist es, Planungsprozesse digital zu unterstützen und Informationen zentral bereitzustellen. Dadurch können Planungsverfahren effizienter organisiert und Beteiligungsprozesse transparenter gestaltet werden.

Die Plattform besteht aus mehreren Komponenten, die unterschiedliche Aufgaben im Planungsprozess übernehmen.

Das DiPlan-Cockpit dient als Arbeitsoberfläche für Kommunen und Verfahrensträger. Hier können Planverfahren angelegt, Dokumente verwaltet und Planungsumgriffe selbst definiert werden. Über integrierte Kartenfunktionen lassen sich Planwerke darstellen und Geodienste einbinden.

Mit DiPlan-Beteiligung steht ein Modul zur Verfügung, das die digitale Durchführung von Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligungen unterstützt. Stellungnahmen können direkt im System abgegeben werden. Dadurch entsteht eine nachvollziehbare und transparente Dokumentation der Beteiligungsprozesse. Eine Abwägungstabelle sammelt die Ergebnisse und ermöglicht Kommunen eine strukturierte Abwägung der eingegangenen Stellungnahmen.

Das DiPlan-Portal bildet schließlich die öffentliche Oberfläche der Plattform. Bürgerinnen und Bürger, Behörden und Fachstellen können hier Planunterlagen einsehen und sich über laufende Verfahren informieren. Ab dem 31. Oktober 2026 wird das Portal in Bayern das zentrale Landesportal für Bauleitplanverfahren darstellen.

Abbildung 1: Die drei Komponenten der Plattformlösung DiPlanung 
Quelle: © Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr / Orca Affairs



Ein besonderer Mehrwert der Plattform liegt in der Verbindung von Planwerken mit Geodaten. Über integrierte Kartenfunktionen lassen sich beispielsweise Luftbilder, topografische Karten oder Fachinformationen aus Bereichen wie Umwelt- oder Denkmalschutz einbinden. Planungen können so direkt im räumlichen Kontext betrachtet werden. Dies erleichtert sowohl die fachliche Bewertung als auch die Kommunikation von Planinhalten.

Abbildung 2: Screenshot DiPlanung Beteiligungsverfahren 
Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr


Die ersten Schritte – Schulungen, Testlabor und die Datenmigration 

Mit der Einführung von XPlanung und der Plattform DiPlanung beginnt für viele Kommunen der Einstieg in die digitale Bauleitplanung. Um diesen Übergang zu begleiten, setzt der Freistaat Bayern auf ein breites Informations- und Unterstützungsangebot.

Den Auftakt bildeten zahlreiche Einführungsveranstaltungen in ganz Bayern. Rund 1.000 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Behörden und Planungsbüros nahmen daran teil. Neben den Grundlagen zu XPlanung und DiPlanung standen vor allem praktische Einblicke in die neuen digitalen Planungsverfahren im Mittelpunkt. Gleichzeitig boten die Veranstaltungen Raum für Austausch und Vernetzung zwischen Verwaltung, Fachbehörden und Planungspraxis.

Abbildung 3: Abschlussveranstaltung des bayernweiten Rollouts von DiPlanung in München am 4. Februar 2026 
Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr 

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Migration bestehender Planwerke. Die Daten aus dem bisherigen zentralen Landesportal für Bauleitplanung werden schrittweise in die neue Plattform überführt und in den XPlan-konformen Minimalstandard transformiert. Dadurch können vorhandene Planbestände künftig innerhalb der neuen Plattform genutzt werden.

Ergänzend dazu werden gezielte Schulungsangebote angeboten. In einem Testlabor können Kommunen die Plattform DiPlanung in einer geschützten Umgebung erproben und erste Verfahren anlegen. Zusätzlich bietet die Bayerische Verwaltungsschule (BVS) geförderte Fortbildungen an, in denen die Grundlagen von XPlanung und die praktische Arbeit mit der Plattform vermittelt werden.

Fazit: Digitale Infrastruktur für die Planung in Bayern  

Mit der Einführung von XPlanung und der Plattform DiPlanung wird in Bayern eine zentrale Grundlage für die Digitalisierung der räumlichen Planung und speziell der Bauleitplanung geschaffen. Standardisierte Datenstrukturen ermöglichen einen effizienten Austausch von Planungsinformationen, während die Plattform organisatorische Prozesse unterstützt und Beteiligungsverfahren transparent gestaltet.
Die Kombination aus Datenstandard und digitaler Infrastruktur schafft damit ein zukunftsfähiges Fundament für moderne Planungsverfahren. Kommunen erhalten Werkzeuge, mit denen sie Planungsprozesse effizienter organisieren und Informationen leichter bereitstellen können. Gleichzeitig profitieren Fachbehörden, Planungsbüros und Öffentlichkeit von einer verbesserten Verfügbarkeit und Verständlichkeit von Planungsdaten.

Digitale Planung bedeutet dabei nicht nur technische Innovation, sondern vor allem eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren. Mit der konsequenten Nutzung von Standards und Plattformen entsteht Schritt für Schritt ein digitales Ökosystem für die räumliche Planung in Bayern – transparent, interoperabel und langfristig nutzbar!

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Verfasser

Baudirektor Marcel Kühner

Baudirektor Marcel Kühner
Leiter Projektgruppe „Digitalisierung von Planungs‑, Beteiligungs‑ und Genehmigungsprozessen“ im Referat 26 Städtebau | Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr

Nach seiner Tätigkeit in der freien Wirtschaft, wo er mit städtebaulichen und Hochbauprojekten betraut war, wechselte er 2015 in den öffentlichen Dienst und war zunächst im Sachgebiet 34 Städtebau und Bauordnung der Regierung von Oberbayern tätig. 2016 kam er zur Obersten Baubehörde (Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr, Referat 26 Städtebau), wo er seit 2017 die Digitalisierung der Bauleitplanung und Smart‑City‑Themen vorantreibt und seit 2023 die Projektgruppe „Digitalisierung von Planungs‑, Beteiligungs‑ und Genehmigungsprozessen“ leitet.
Bauoberrat Benedikt Seifert

Bauoberrat Benedikt Seifert
Referent Projektgruppe „Digitalisierung von Planungs‑, Beteiligungs‑ und Genehmigungsprozessen“ im Referat 26 Städtebau | Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr

Benedikt Seifert ist seit 2024 im Bayerischen Bauministerium im Referat 26 Städtebau tätig und arbeitet in der Projektgruppe „Digitalisierung von Planungs-, Beteiligungs- und Genehmigungsprozessen“ mit. Zuvor war er im Sachgebiet Städtebauförderung an der Regierung von Schwaben beschäftigt. In der Projektgruppe Digitalisierung betreut er insbesondere die bayernweite Einführung des Datenstandards XPlanung sowie den Rollout der digitalen Planungs- und Beteiligungsplattform DiPlanung. Ergänzend ist er in der Lehre und in Weiterbildungsformaten aktiv.
Baudirektorin Sabine Kaminski

Baudirektorin Sabine Kaminski
Referentin Projektgruppe „Digitalisierung von Planungs‑, Beteiligungs‑ und Genehmigungsprozessen“ im Referat 26 Städtebau | Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr

Sabine Kaminski arbeitete nach dem Architekturstudium zunächst in Ingenieurbüros, bevor sie 2009 in den Staatsdienst wechselte. Seit 2016 ist sie am Bayerischen Bauministerium im Referat 26 Städtebau tätig und arbeitet seit 3 Jahren in der dort angesiedelten Projektgruppe „Digitalisierung von Planungs-, Beteiligungs- und Genehmigungsprozessen“ mit. Dabei betreut sie schwerpunktmäßig die bayernweite Einführung des einheitlichen Datenstandards XPlanung und den Ausrollprozess der digitalen Planungs- und Beteiligungsplattform DiPlanung.

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Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr gestaltet Wohnraum, Infrastruktur und Mobilität für lebenswerte Städte und Regionen in Bayern.